Äußeres Ohr - Gehörgang
Krankheiten des Gehörganges können das
Hörvermögen des Hundes reduzieren, der Gleichgewichtssinn ist bei
Außenohrerkrankungen erhalten.
Ein mit Ohrschmalz (Cerumen) verstopfter Gehörkanal gibt dem Hund das Gefühl, er
trage Gehörpfropfen.
Handkerum, wenn ein Hund eine leichte Rötung der Ohrmuschel hat und keinen
Gehorsam zeigt, so muss die Ursache für den Ungehorsam woanders als beim "er
hört eben schlecht" gesucht werden. Entzündungen (Otitis externa) des äußeren
Gehörganges sind bei Hunden die häufigste Erkrankung des Ohres.
Hier möchte ich einfügen: Ohrschmalz oder eben Cerumen ist beim Hund wie beim
Menschen grundsätzlich normal. Hat Ihr Hund etwas Cerumen im Ohr, so ist das
kein Grund zur Beunruhigung. Die Ohrmuschel kann vom Besitzer/in selbst mit
einem weichen, feuchten Lappen gereinigt werden. Ohrstäbchen sind tabu und haben
im Ohrkanal nichts zu suchen. Mit Ohrstäbchen oder anderen Watteträgern stoßen
Sie nur den Ohrschmalz in den Gehörkanal hinunter und verursachen einen Pfropfen
im Gehörkanal. Dies kann dann die Selbstreinigungskraft des Ohres übersteigen
und eben Ursache und Beginn einer Ohrentzündung sein. Falls Sie unsicher sind,
ob die Menge an Cerumen noch normal ist oder ob bereits eine Entzündung
vorliegt, so lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt/ärztin beraten.

(Ohrschmalzpfropfen im horizontalen Gehörgang)

("Sauberer" Gehörgang nach Entfernung des Pfropfens mit ganz wenigen feinen Haaren)
(Moderate
Otitis externa: Der Gehörgang ist mäßig gerötet und mäßig viel Cerumen ist
vorhanden. Beachten Sie die Haare im unteren Gehörgang.)
(Hochgradige
Otitis externa: Der Gehörgang und die Ohrmuschel sind hochgradig geschwollen und
entzündet. Die Schleimhaut zeigt offene Stellen und blutet spontan)
Bei Otitis externa wird zwischen primären
(direkten) und sekundären (indirekten) Ursachen einerseits und prädisponierenden
Faktoren (Anfälligkeit für eine Krankheit) andererseits unterschieden.
Primäre Ursachen verursachen die Ohrentzündung direkt. Mit der Behandlung der
primären Ursache verschwinden die sekundären Ursachen oft von selbst, das heißt
sie müssen nicht mehr therapiert werden. Während Ohrmilben bei Katzen weitaus
die häufigste primäre Ursache sind, ist dies beim Hund seltener. Nur ca. 5-10 %
der Hund mit Gehörgangsentzündung haben Ohrmilben und die meisten sind im
Welpenalter.
Die Diagnose ist meist einfach zu stellen. Bei der Ohruntersuchung sieht der
Tierarzt/ärztin mit einer Vergrößerung kleine weiße Punkte im Ohr, die sich
bewegen. Die Anzahl Milben ist beim Hund oft gering (im Gegensatz zur Katze, die
oft viele Milben haben). Milben verursachen eine allergische Reaktion im Ohr und
schon zwei bis drei Milben können eine Entzündung hervorrufen. Daher lassen sich
gelegentlich keine Milben darstellen, obwohl sie Ursache der Entzündung sind.
Deshalb rechtfertigt sich eine Behandlung gegen Ohrmilben, auch wenn bei der
Ohruntersuchung keine Ohrmilben nachgewiesen werden konnten. Der Tierarzt/ärztin
wird die Ohren reinigen und anschließend beide Ohren mit einem Insektizid
behandeln. Beim Hund ist eine Behandlung meist ausreichend.
Fremdkörper wie Grashalme oder Grannen im
Ohr verursachen ebenfalls eine Otitis externa. Vor allem bei sehr aktiven Hunden
(z.B. Jagdhunden), die in Feld und Wald herumtollen werden immer wieder
Fremdkörper im Ohr gefunden. Typischerweise führen Fremdkörper meist zu
einseitigen Außenohrentzündungen. Der Juckreiz beginnt akut und ist oft sehr
ausgeprägt. Der Tierarzt/ärztin muss gelegentlich das Ohr zuerst gründlich
reinigen, um den Fremdkörper überhaupt zu sehen. Das Entfernen des Fremdkörpers
genügt bei einfachen, frischen Fällen als Therapie.
Überempfindlichkeiten (Allergien, Futter, Medikamente) führen beim Hund neben
Hautveränderungen an anderen Stellen oft auch zu Otitis externa. Es sind meist
beide Ohren befallen. Bis zu 80% von Hunden mit Allergien haben auch entzündete
Ohren. Bei jedem vierten Hund ist das Ohr von Beginn weg betroffen. Manchmal
sind die entzündeten Ohren die einzige Manifestation einer Allergie. Aus diesem
Grund können Ohrentzündungen die Spitze des Eisbergs sein und Ausdruck eines
schwerwiegenden Problems. Für den Tierarzt/ärztin ist die Diagnose "Allergie"
schwierig. Es besteht kein Test, der eindeutig aussagt, dies ist eine
Überempfindlichkeitsreaktion oder nicht. Der Tierarzt/ärztin muss die Diagnose
über den Ausschluss von anderen Ursachen und der Krankengeschichte (z.B.
Medikamentengaben ins Ohr, Verschlimmerung bei gewissen Futtertypen) stellen.
Autoimmunerkrankungen wie z.B. ein discoider Lupus können auf das Ohr beschränkt
sein und der Grund für eine Otitis externa sein. Meist verursachen sie aber auch
auf der Außenseite der Ohrmuschel Veränderungen.

(Autoimmunerkrankung (Kutaner Lupus erythematosus) am Ohr eines Mischlingshundes )
Sekundäre Ursachen verursachen oder
verschlimmern eine Ohrerkrankung nur im abnormalen Ohr oder im Zusammenhang mit
prädisponierenden Faktoren.
Bakterien selbst verursachen ganz selten eine Otitis externa. Auch im gesunden
und sauberen Ohr werden Bakterien gefunden. Solange das Ohr also gesund ist,
können sie nicht überwuchern. Das tun Bakterien erst, wenn das Milieu im Ohr für
sie günstig ist. Dazu braucht es andere Faktoren (z.B. eben eine
Überempfindlichkeit oder ein Fremdkörper), nach denen der Tierarzt/ärztin suchen
muss. Hat die Überwucherung mit Bakterien aber einmal stattgefunden, dann
fördern die Bakterien selbst die Entzündung. Aus diesem Grund wird eine Therapie
mit einem Antibiotikum notwendig. Das Antibiotikum muss in schweren Fällen
systemisch (z.B. Tabletten) gegeben werden, da eine lokale Gabe mit einem
Ohrenmittel nicht ausreicht. Ein häufiges Bakterium bei chronischen Entzündungen
sind die so genannten "Pseudomonaden" und leider ist dieses Bakterium gegen
viele Antibiotika resistent. Der Tierarzt/ärztin kann anhand einer Probe von
Ohrschmalz feststellen, ob solche Erreger vorhanden sind und gegen welches
Antibiotikum sie noch empfindlich sind. Falls Pseudomonaden vorhanden sind, dann
kann es sehr langwierig und aufwendig, das Ohr von diesem Bakterium frei
zukriegen.
Pilze vor allem vom Hefetypus (Malassezia) werden zwar auch in gesunden
Hundeohren gefunden, sind aber häufiger anzutreffen in erkrankten Ohren.
Antibiotikagaben können das Milieu für die Hefepilze stark verbessern, indem die
Konkurrenz (Bakterien) für Nährstoffe ausgeschaltet wird. Die Hefepilze
überwuchern und unterhalten die Entzündung.
Prädisponierende Faktoren für eine Otitis externa sind beim Hund ein enger
Gehörkanal, Haare im Gehörkanal und vermehrte Ohrschmalzproduktion. Wie erwähnt
hat der Shar Pei neben vielen anderen Problemen einen engen Gehörkanal. Es ist
offensichtlich, dass ein enger Kanal eher verstopft. Ist der Gehörgang einmal
verstopft, wird die Selbstreinigung des Ohres vermindert oder gestoppt und
Bakterien und Pilze können überwuchern. Ähnlich verhält es sich mit Haaren.
Diese halten Fremdmaterial oder Ohrschmalz zurück und es kommt zur Verstopfung
des Kanals. In diesem Fall wird der Tierarzt/ärztin neben der Reinigung des
Gehörkanals auch die Haare zupfen. Da dies schmerzhaft ist und vor allem die
tieferen Haare entfernt werden sollten, braucht es meist eine Narkose.
Tumore im Gehörgang können zu therapieresistenten Entzündungen führen. Die
Tumore verändern das Milieu im Ohr und Bakterien überwuchern. Ohne Behandlung
des Tumors wird keine Heilung erzielt. Tumore im Gehörgang des Hundes haben eine
vorsichtige bis ungünstige Prognose. Es handelt sich meist um die so genannten
Ceruminaldrüsentumore. Etwa 50% dieser Tumore sind bösartig und neigen zu
Rückfällen. Die Therapie ist eine vollständige Entfernung des Gehörganges
inklusive Mittelohr.
Die Hängeohren werden immer wieder als Grund für eine Entzündungsneigung
angegeben und zum Teil als Grund für das Kupieren genannt. Untersuchungen haben
gezeigt, dass die Temperatur im Gehörgang bei Hängeohren und Stehohren dieselbe
ist. Einzig die Luftfeuchtigkeit ist bei Stehohren geringer als bei Hängeohren.
Krankheiten der Ohrmuschel reduzieren die
Funktion des Ohrs nur mäßig und der Hund sollte ein praktisch normales Gehör und
einen normalen Gleichgewichtssinn haben.
Im Zusammenhang mit Gehörgangsentzündungen kann es zum so genannten Othämatom
oder Blutohr kommen. Die Ohrmuschel ist je nach Ausmaß geschwollen oder
aufgetrieben, schmerzhaft und warm. Der Hund zeigt hochgradigen Juckreiz und je
mehr er kratzt oder das Ohr schüttelt, desto größer wird die Schwellung.
Der Tierarzt/ärztin muss in den meisten Fällen den Patienten narkotisieren, um
das Ohr in Ruhe und vollständig untersuchen zu können. Je nach Ausmaß wird
er/sie dann entweder das Ohr von Blut entleeren oder eine Operation durchführen.
Meist bekommt der Hund einen Ohrverband. Ferner kann es notwendig sein, für die
ersten Tage nach der Operation dem Hund ein Beruhigungsmittel zu geben.
Hundemagazin 5/2002